Viszerofasziale Funktionsketten

 

"Faszien sind die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes, die den ganzen Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungswerk durchdringen." So wurde die Definition für "Faszien" am ersten internationalen Faszien-Kongress 2007 festgelegt. Faszie (lat.) heißt übersetzt: "Band" oder "Bündel". Faszien verbinden die Organe und Blutgefäße untereinander, alle Strukturen des Bewegungsapparates (Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder), sowie das gesamte Nervensystem mitsamt den Hirnhäuten und den Sinnesorganen.

Faszien geben dem Körper Form und Stütze, übertragen die Kräfte, schützen Organe, Gelenke, Knochen und Muskeln. Sie sind als weiche, verschiebbare, elastische, dehnbare und zugfeste Fasern im Körper vorhanden. Das Fasziengewebe besteht u.a. aus kollagenen Fasern, ist ein sehr guter Wasserspeicher, sorgt für die Vernetzung im gesamten Organismus und ist auch Teil unseres Immunsystems.

Eine grobe Einteilung lässt uns 3 Faszienschichten erkennen:

Die oberflächlichen Faszien liegen im Unterhautfettgewebe, ermöglichen die Verschiebbarkeit zwischen Haut und Muskulatur, geben Form und Schutz und kommunizieren durch viele Rezeptoren mit der Außenwelt.

Die tiefen Faszien umschließen alle Organe, Muskelfasern, Muskeln und Gelenke. Gelenkkapseln, Sehnenplatten, Bänder und Sehnen bestehen aus tiefem Fasziengewebe. Hier befinden sich viele sensorische Rezeptoren, die z.B. auf Temperaturschwankungen oder mechanische Reize und Schmerzen reagieren.  Nervenenden die nicht im Gehirn oder Rückenmark verlaufen enden in den tiefen Faszien.

Die unterste Schicht bilden die viszeralen Faszien. Sie schützen die Organe einschließlich des Gehirns, mit einer doppelten Faszienschicht  und befestigen sie über ein dreidimensionales Fasziennetzwerk an sogenannten "Ankerpunkten". Diese Ankerpunkte stellen eine Verbindung zwischen Organen und Bewegungsapparat dar.

Fasziengewebe kann verhärten und verkleben, oft durch sitzende Tätigkeiten und zu wenig Bewegung. Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen können auftreten. Durch umfangreiche Studien (Dr. Schleip) evtl. Link ? konnte nachgewiesen werden, dass unser Fasziensystem sowohl auf anhaltenden Stress, Schon- und Fehlhaltungen, Übersäuerung, Bewegungsmangel, psychische Probleme und natürlich mechanische Reize von außen wie Unfälle, Stöße, Fehltritte, Stürze usw. äußerst empfindlich mit Verkürzungen und Verklebungen reagiert, was immer mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher geht. Da unser gesamter Organismus über das Fasziensystem miteinander verbunden ist, ist eine Veränderung der Faszienspannung an einem Ort immer ein Problem des ganzen Körpers. Dies erklärt weshalb manchmal hartnäckige Schmerzen in der Schulter mit einer Behandlung der tiefen Rumpfmuskulatur zu lösen sind.

Bei vielen gesundheitlichen Störungen, sowohl im Bewegungsapparat als auch im organischen und psychischen Bereich, scheint das Fasziengewebe eine größere Rolle als bisher angenommen wurde zu spielen.

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